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Wie geht nachhaltige Konfirmandenarbeit? – Konsequenzen aus der zweiten bundesweiten Studie

Das wüssten wohl alle nur zu gern, die Konfi-Arbeit machen: Wie schaffen wir es, den Konfirmand/innen bleibend etwas mitzugeben ins Leben. Wie gelingt es, Ihnen die Kirche als geistliche und menschliche Heimat lieb und wertvoll zu machen? Oder auch ganz handfest: Wie erreichen wir es als Institution Kirche, als der sichtbare Teil der Kirche, die Jugendlichen als Mitglieder so zu überzeugen, dass sie dauerhaft dabeibleiben wollen, weil ihnen sonst etwas fehlen würde. Schließlich tritt kaum ein Konfirmand kurz nach der Konfirmation aus der Kirche aus, sondern eher im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Zentrale Ergebnisse der Studie im Überblick

Auf http://www.konfirmandenarbeit.eu ist sind in Form einer PowerPoint-Präsentation (Downloadlink) zentrale Ergebnisse der Studie verfügbar. Das ersetzt natürlich nicht die Lektüre des Buchs, in dem die Ergebnisse ausführlich dargestellt und analysiert werden. Bei den meisten Items sieht man die Werte im Rahmen der Konfirmandenarbeit positiv anwachsen, was für eine erfolgreiche Arbeit spricht. Aber dann fallen die Linien nach unten auf ein Niveau unterhalb der Ausgangslage. Nur beim Glauben an ein Leben nach dem Tod gibt es eine spürbare Zunahme. Besonders bei der Aussage “Die Welt ist von Gott erschaffen” fallen die Werte dagegen deutlich nach unten ab.
Nun ist aus vielen Studien bekannt, dass das Jugendalter eher eine Zeit ist, in der der Glaube abnimmt und in die Krise kommt. Auffällig und schade ist dieser Befund aber doch, weil er vermutlich noch sehr viel dramatischer ausgefallen wäre, wenn man alle Jugendlichen noch einmal hätte befragen können.

Konsequenzen für die Arbeit vor Ort

Nachdem die Ergebnisse nun vorliegen – auch mit einer gesonderten, nur intern verfügbaren Auswertung für jede Landeskirche – ist es an der Zeit für die Landeskirchen und jede einzelne Gemeinde, die Konsequenzen zu bedenken. Schließlich ist aus den Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen der EKD (einführend: https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/ekd_v_kmu2014.pdf) hinreichend bekannt, was viele am kirchlichen Leben Interessierte auch vor Ort erleben: Die Weitergabe des Glaubens und einer zukunftsfähigen Kirchlichkeit ist längst kein Selbstläufer mehr.
Das Religionspädagogische Institut der EKKW und der EKHN ist nun mit gutem Beispiel vorangegangen und hat einen Bericht für die Gemeinden erstellt, in dem anregende Perspektiven aufgezeigt werden (siehe https://www.rpi-ekkw-ekhn.de/home/rpi-arbeitsbereiche/konfirmandenarbeit/materialpool-konfirmandenarbeit/ Direkter Download der Broschüre: https://www.rpi-ekkw-ekhn.de/fileadmin/templates/rpi/normal/material/arbeitsbereiche/ab_konfirmandenarbeit/material/broschuere_rpi-info_juni2017_c-mt.pdf).
Wir haben uns im Beirat Konfirmandenarbeit ausdrücklich Zeit genommen, uns mit dieser Studie zu beschäftigen. Ein einheitliches Bild der Lage ergab sich dabei nicht. Insbesondere sind die Werte zwischen der ersten und der zweiten Studie, zwischen denen fünf Jahre liegen, nicht so auffällig anders, dass sich klare Trends benennen lassen.
Einige Konsequenzen lassen sich aber doch klar formulieren:

  • Wer meint, dass die Konfirmandenzeit als gemeindepädagogische Intensiv-Maßnahme ausreicht, um den Nachwuchs an Glaube, Kirche, Religion heranzuführen, täuscht sich. Nachhaltigkeit ist nur erkennbar, wenn es in irgendeiner Form etwas gibt, das weitergeht, und wenn vorher schon passende Angebote besucht wurden.
  • Erfreulicherweise lassen sich neben dem starken Einfluss des Elternhauses auch ganz klar Einflüsse der gemeindlichen Bildungsarbeit erkennen. Es macht einen großen Unterschied, ob jemand kirchliche Angebote besucht hat oder nicht.
  • Man kann nicht oft genug betonen, wie wichtig Freizeitarbeit und Teamerarbeit im Rahmen der Konfirmandenarbeit sind. Hier entstehen die nachhaltigen Erlebnisse und Beziehungen, die weitertragen. Gerade Württemberg hat eine im Vergleich zu anderen Landeskirchen eher schwach ausgeprägte Teamerkultur. Das hat verschiedene Gründe: Einerseits die die selbständige Jugendarbeit noch vergleichsweise stark. Anderseits sind die Konfirmandengruppen im Vergleich zu anderen Landeskirchen besonders klein, was Pfarrer/innen dann gut allein bewältigen könne. Auch der Einsatz von Diakon/innen und Jugendreferent/innen ist viel seltener. Oft findet Konfirmandenunterricht meist am Mittwochnachmittag statt, wo Teamer, zumindest Jugendliche, schwer zu gewinnen sind. Die Arbeit mit Teamern ist eine eigenständige Form von Jugendarbeit. Zumindest dort, wo es keine selbständige Jugendarbeit (mehr) gibt, sollte überlegt werden, ob man hier nicht viel deutlicher Akzente setzen kann.
  • Das Thema Gottesdienst ist nach wie vor ein neuralgischer Punkt. Je häufiger er besucht wird, desto langweiliger finden ihn die Konfis. Nur zwei Gegenmittel sind bekannt: die Mitgestaltung von Gottesdiensten, wo man eigene Ideen einbringen kann, und das Erleben jugendgemäßer Gottesdienste. Hier müsste noch deutlich mehr geschehen, denn Kirche wird von Jugendlichen fast automatisch mit Gottesdienst identifiziert. Hat der Gottesdienst ein schlechtes Image, überträgt sich dieses fast automatisch auch auf die Kirche als Gemeinschaft und Institution. Zum Thema Gottesdienst hat der Beirat Konfirmandenarbeit deshalb nach seiner Jahrestagung auch eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht (abrufbar hier: http://anknuepfen.de/ansprechpartner/bezirksbeauftragte-wuerttemberg/jahrestagung-2017.html). Wir müssen wegkommen von einer durch Unterschriftenkarten dokumentierten Zwangsverpflichtung hin zu einer verbindlichen Gottesdienstkultur. Das heißt, gezielt geeignete Gottesdienste auswählen und mitgestalten, in denen dann ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Sonst kommt es zu solchen Ergebnissen, wie sie die bundesweite Studie deutlich vor Augen führt: Selbst gemeindenahe Jugendliche besuchen aus Eigeninteresse  kaum noch klassische Gottesdienste.
  • Konfis haben ein viel größeres Interesse an inhaltlichen Themen als man zunächst vermuten würde. Fun und action allein reichen nicht, viele wollen Fragen nach Gott und Glauben geklärt haben in ihrer Konfi-Zeit. Dass das nicht immer ausreichend geschieht, zeigen exemplarisch die Ergebnisse zum Thema Schöpfung. Sicher ließen sich noch weitere Beispiele finden, aber hier wird es besonders deutlich. Wenn es nicht gelingt, die Vereinbarkeit von Glaube und naturwissenschaftlichen Aussagen beim Thema Schöpfung deutlich zu machen, dann wird der Konfi leicht zur Märchenstunde. Man hört sich das an, aber lächelt innerlich darüber. Hier müsste deutlicher als bisher Stellung bezogen werden. Gut gefällt mir z. B. das Buch von Rainer Oberthür, DAS BUCH VOM ANFANG VON ALLEM. BIBEL, NATURWISSENSCHAFT UND DAS GEHEIMNIS UNSERES UNIVERSUMS, in dem versucht wird, beides in Beziehung zueinander zu bringen (siehe auch http://www.kajak-oldenburg.de/woherkommtdiewelt/2017/07/ ).
  • Die Mitbestimmung der Konfis bei der Themenwahl und der Art, wie die Themen behandelt werden, ist noch deutlich unterentwickelt. Hier könnte sich die Konfirmandenarbeit deutlicher als bisher als Alternative zur Schule profilieren. Warum gibt es nur in der Schule Klassensprecher und nicht auch im Konfi Gruppensprecher, die Interessen aller Konfis gegenüber den Hauptamtlichen und der Gemeindeleitung vertreten könnten? Hier gibt es ein großes Entwicklungspotential im Hinblick auf die Demokratieerziehung und die Jugendarbeit, in der nach dem Konfi die Selbstbestimmung plötzlich ganz groß geschrieben wird. (Siehe dazu auch die Impulse von Prof. Hans-Martin Lübking beim Konfi-Wiki am 18.2.17 in Ulm, http://www.ejwue.de/arbeitsbereiche/proteens/konfis/konfi-wiki/ und http://www.ejwue.de/fileadmin/proteens/konfis/upload/Hans-Martin_Luebking_Impuls.pdf)

Lesetipps

Diskussion

Ist die (württembergische) Konfirmandenarbeit auf der Höhe der Zeit? Wo müsste sie noch zeitgemäßer werden? Wie wird sie wirklich nachhaltig? Diskutieren Sie mit, indem Sie unten kommentieren.
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Der Beitrag von Thomas Ebinger ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution 3.0 Germany License und erschien erstmals am 09.08.2017 hier im Blog des ptz.Stuttgart.

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Tool Pool – die neue Methodensammlung für Konfi- und Jugendarbeit

Methoden sind nicht alles, aber ohne Methoden ist alles nichts. Während es für den Religionsunterricht viele gute Methodensammlungen gibt, fehlte so etwas bisher für den Bereich der Konfirmandenarbeit. Dabei ist es gerade dort besonders nötig, wo Pfarrer/innen tätig sind, die auch viele andere Aufgaben haben, und inzwischen auch viele Ehrenamtliche und Teamer/innen. Es war ein Wunsch des Verlags, auch die Jugendarbeit mit dazu zu nehmen. Und das ist sachlich auch völlig richtig. Konfirmanden- und Jugendarbeit haben sich in den letzten Jahren spürbar aufeinander zubewegt und sich gegenseitig bereichert. In vielen Landeskirchen ist Konfirmandenarbeit zusammen mit der Teamerarbeit schon die wichtigste, zumindest zahlenmäßig größte Form von Jugendarbeit.
Eine zweite Besonderheit: Die Methoden (nicht die Einleitung und die Hinweise zur Arbeit mit dem Buch) stehen auch komplett online zur Verfügung. Wir haben im Vorfeld heftig diskutiert und verhandelt. Denn welcher Verlag veröffentlicht schon ein Buch, dessen Inhalte auch kostenlos verfügbar sind. Gar nicht weitergekommen sind wir mit der Idee, die Inhalte sogar unter eine Creativ-Commons-Lizenz freizugeben. Ich bin weiterhin der Meinung: Beides zusammen geht und ist auch wirtschaftlich machbar. Jedes Medium hat seine Vorteile. Meine Kinder haben einen digitalen Reader und greifen doch weiterhin lieber zum Buch. Viele Pfarrer/innen sind zum Glück weiterhin bücheraffin, auch wenn die Verkäufe – sogar die von gebrauchten theologischen Büchern – gerade dramatisch einbrechen. Wir hoffen auf Nutzer/innen, die einsehen, dass guter Content auch irgendwie finanziert werden muss. Das klingt irgendwie logisch, wird beim vielen googeln aber gern vergessen.

Der Online-Blog

Während ein Buch für eine Neuauflage erweitert und verbessert werden kann, kann ein Blog sofort wachsen und durch die Nutzer/innen zu einem immer besseren Werkzeug gemacht werden. Das erhoffen wir drei Autoren uns auch vom Blog. Man muss sich anmelden und der Zusendung von Informationen zustimmen – das ist der kleine Vorteil, den der Verlag aus der Online-Veröffentlichung zieht. Wir als Blog-Macher/innen können so aber auch Kontakt aufnehmen und hoffen, dass viele Nutzer/innen zu Autor/innen werden und Kommentare und neue Methoden beisteuern.

Feedback erwünscht

Nichts ist perfekt, schon gar nicht von Anfang an. Deshalb wünschen wir uns viele konstruktive Verbesserungsvorschläge zu dieser Methodensammlung. Wer ein Rezensionsexemplar haben möchte, kann sich gerne bei mir oder beim Verlag melden. Die ersten Rückmeldungen sind bisher überaus positiv, das freut uns. Wir sind gespannt, wie sich das Projekt weiterentwickelt und hoffen, dass wir einen Beitrag dazu leisten konnten, dass Konfis mehr Spaß haben in der Konfirmandenarbeit und sie noch aktiver und kreativer bei der Erschließung der Inhalt werden. Denn darum geht es ja: den Konfis und Jugendlichen nahe zu bringen, wie sinnvoll und hilfreich der christliche Glaube für das Leben ist.

Buch und Online-Datenbank

Wie gefällt euch das Projekt? Ich freue mich immer über Kommentare, gern gleich hier unten zu diesem Artikel.

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Alles Luther 2017 oder was? Welche Bibelübersetzungen sich für Konfis eignen

Fast wöchentlich besuche ich gerade Vikar*innen im Konfi-Unterricht, um sie bei ihren ersten Unterrichtserfahrungen zu begleiten. Und dabei sehe ich dann auch oft, welche Bibel sie benutzen. Nun ist gerade die Lutherbibel 2017 herausgekommen – eine klare Kaufempfehlung für Konfis und Schüler/innen oder ist eher ein dickes Warnschild angebracht? Schon länger beobachte ich einen gewissen Retro-Trend zurück zur Lutherbibel, sicher auch angeregt durch die 10 Jahre Vorbereitung auf 2017. Das hat mich dazu angeregt, diesen Artikel zu schreiben.

Welche Bibeln genutzt werden

Aus meinen Besuchen lässt sich leider keine zuverlässige Statistik ableiten. Meines Wissens ist eine solche nirgends verfügbar, die bundesweite Studie zur Konfirmandenarbeit stellt diese Frage leider nicht.  Gefühlte 50% arbeiten mit der “Guten Nachricht” , 30% mit der Lutherbibel, weitere 10% mit der Basisbibel (die leider noch nicht vollständig vorliegt) und nochmal 10% mit der Hoffnung für alle, die es in vielen verschiedenen Ausgaben gibt. Die vor allem bei Pfarrerinnen beliebte Bibel in gerechter Sprache ist mir übrigens noch nie begegnet, auch nicht die in Schulen oft auch im evangelischen Religionsunterricht genutzte Einheitsübersetzung, die de facto die katholische Bibel ist.  Für einzelne Texte für Jugendliche sehr interessant ist die Volxbibel. Martin Dreyer und die Jesus Freaks stecken dahinter; sie gehen sehr frei mit dem Bibeltext um, indem sie heutige Begrifflichkeiten und auch coolen Slang in die Texte einbauen. Reinschauen lohnt sich immer, als Konfi-Bibel würde ich sie nicht empfehlen. Insgesamt gibt es für die deutsche Sprache meines Wissens über 14 vollständige Bibelübersetzungen.
Sehr vielversprechend finde ich übrigens die Offene Bibel, die nach dem Wikipedia-Prinzip ensteht, (siehe dazu auch meine Rezension), bei der es auch eine Fassung in leichter Sprache gibt, die allerdings noch nicht sehr umfangreich ist.

Übersetzungsvergleich

Ein direkter Vergleich zeigt am besten, wo die Unterschiede liegen. Ich habe bewusst einen anspruchsvollen Paulustext aus Römer 6 gewählt, der durchaus einmal mit Konfis zum Thema Taufe gelesen werden kann.

Basisbibel Gute Nachricht Luther 2017 Hoffnung für alle
1 Was sollen wir dazu sagen?Etwa: »Lasst uns in unserer Sünde bleiben, damit die Gnade noch größer wird!«?
2 Auf keinen Fall! Für die Sünde sind wir ja tot.Wie könnten wir da noch weiter in ihr leben?
3 Ihr wisst doch: Bei unserer Taufe wurden wir förmlich in Christus Jesus hineingetaucht. So wurden wir bei der Taufe in seinen Tod mit hineingenommen.
4 Und weil wir bei der Taufe mit ihm gestorben sind, wurden wir auch mit ihm begraben. Aber Christus ist durch die Herrlichkeit des Vaters vom Tod auferweckt worden. Und genauso sollen auch wir jetzt ein neues Leben führen.
5 Denn wenn wir ihm im Tod gleich geworden sind, werden wir es auch in der Auferstehung sein.
1 Was folgt nun daraus? Sollen wir ruhig weitersündigen, damit die Gnade sich noch mächtiger entfalten kann?
2 Unmöglich! Die Sünde hat kein Anrecht mehr an uns, für sie sind wir tot – wie könnten wir dann noch weiter in der Sünde leben?
3 Ihr müsst euch doch darüber im Klaren sein, was bei der Taufe mit euch geschehen ist. Wir alle, die »in Jesus Christus hinein« getauft wurden, sind damit in seinen Tod hineingetauft, ja hineingetaucht worden.
4 Durch diese Taufe wurden wir auch zusammen mit ihm begraben. Und wie Christus durch die Lebensmacht Gottes, des Vaters, vom Tod auferweckt wurde, so ist uns ein neues Leben geschenkt worden, in dem wir nun auch leben sollen.
5 Denn wenn wir mit seinem Tod verbunden wurden, dann werden wir auch mit seiner Auferstehung verbunden sein.
1 Was wollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde?
2 Das sei ferne! Wir sind doch der Sünde gestorben. Wie können wir noch in ihr leben?
3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?
4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.
5 Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.
1 Was bedeutet das nun für uns? Sollen wir etwa weitersündigen, damit Gott Gelegenheit hat, uns seine Barmherzigkeit in ihrer ganzen Größe zu zeigen?
2 Natürlich nicht! Als Christen sind wir für die Sünde tot. Wie könnten wir da noch länger mit ihr leben?
3 Ihr wisst doch, was bei der Taufe geschehen ist: Wir sind auf den Namen Jesu Christi getauft worden und haben damit auch Anteil an seinem Tod.
4 Durch die Taufe sind wir also mit Christus gestorben und begraben. Und wie Christus durch die Herrlichkeit und Macht seines Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir ein neues Leben führen.
5 Denn wie wir seinen Tod mit ihm geteilt haben, so haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung.

Wie man leicht sehen kann, kommen bei Luther immer wieder Formulierungen vor, die mit der heutigen Sprache wenig zu tun haben. Ich habe noch keine Jugendlichen sagen gehört: “Das sei ferne”. Auch das typisch lutherische “auf dass” verwendet heute niemand mehr. Was nicht verwunderlich ist und in der neuen Revision zum Teil sogar noch verstärkt wurde: In der Lutherübersetzung sind so viele Spuren von Luther und 16. Jahrhundert drin, dass es manchmal eine echte Zeitreise ist. Dabei stammt der Text doch eigentlich aus dem 1. Jahrhundert und ist ursprünglich griechisch. Warum müssen wir mit Jugendlichen eine doppelte Zeitreise machen, um die Bibel zu verstehen? Mir leuchtet das nicht ein.
Die Basisbibel, die mir von den aktuellen Übersetzungen am besten gefällt, wurde entwickelt für Menschen des 21. Jahrhunderts, deren Lesegewohnheiten schon durch das Internet geprägt wurden. Hier kann man das schön nachlesen: http://www.basisbibel.de/ueber-die-basisbibel . Die Sprache wird immer knapper. Dafür gibt es jetzt Links, wenn etwas so knapp wird, dass man es kaum noch versteht oder wenn man den Fachbegriff nicht kennt. Ein schönes Beispiel dafür ist der Begriff “Gnade”, den die Basisbibel wie Luther verwendet, der aber von Hoffnung für alle mit “Barmherzigkeit” wiedergegeben wird. Aber die Basisbibel hat eine Erklärung neben dem Wort Gnade stehen (“Gnade: Gott wendet sich den Menschen liebevoll und ohne jede Vorbedingung zu”). So können heutige Menschen in die Sprache der Bibel hineinwachsen und sich die zentralen Begriffe aneignen, ohne die man auf lange Sicht nicht auskommt.

Was würde Luther sagen?

Luthers Anliegen war es, dem Volk aufs Maul zu schauen und die Bibel für die Menschen seiner Zeit verständlich zu übersetzen. Wenn wir Luther heute fragen könnten, würde er davon abraten, jungen Leuten seine Bibelübersetzung vorzusetzen. Er hat oft genug das gemacht, was die Volxbibel ständig tut: Begriffe seiner Zeit gewählt, die sachlich gar nicht zur Zeit der Bibel passen. Ich würde also ganz klar davon abraten, die Lutherbibel für Konfis zu verwenden, Kulturgut Lutherübersetzung für die deutsche Sprache hin, Liebe zu Luther her. Da beißt keine Maus den Reformationsfaden ab, sondern wir bleiben dem Anliegen Luthers treu, die Hürden zum Zugang zur Bibel so niedrig wie möglich zu halten.
Das heißt nicht, dass die Lutherbibel heute schon überholt ist. Noch immer ist Luthers Sprache in vielen Passagen unübertroffen. Wer das entsprechende Alter, den entsprechenden Bildungsgrad dazu hat, soll gern die Luther-Bibel lesen. Aber auch in Gottesdiensten erlebe ich immer wieder, dass Kirchengemeinderäte für die Schriftlesung wegen der prägnanten Sprache die Basisbibel auswählen. Die ist nämlich so gesetzt, dass das Zeilenende immer auch eine Sinneinheit ist, so dass es viel leichter ist, den Text vorzulesen – gerade, wenn man womöglich aufgeregt ist.

Das Dilemma und ein Tipp

Leider ist die Basisbibel noch nicht vollständig, es wird gerade heftig daran gearbeitet, aber vor 2019 soll es nicht so weit sein. Weil es eigentlich nicht geht, Konfis eine unvollständige Bibel zu schenken – das wirkt so als sei das erste Testament nicht so wichtig -, alle anderen Übersetzungen meines Erachtens aber nicht so gut sind wie die Basisbibel, muss man vielleicht für die nächsten drei bis vier Jahre tatsächlich mit zwei Bibeln arbeiten. Eine davon gehört nach Hause, dort wo die Jugendlichen hoffentlich – angeregt durch den Unterricht – auch einmal selbständig in der Bibel lesen. Eine lagert als Gruppensatz im Gemeindehaus für den Einsatz in der Gruppe. Welche Bibel wo zum Einsatz kommen soll, kann man dann immer noch überlegen. An den Bibeln sollten wir als protestantische Christen jedenfalls nicht sparen. Zumindest nicht, solange die Kirchensteuer noch so gut wie die letzten Jahre ausreicht, um so allerlei zu finanzieren. Beispiele erspare ich mir.

Auch das noch …

wenn wir schon mal beim Thema Bibel sind:

Bibelüberreichung

Jeder evangelische Christ sollte seine eigene Bibel besitzen. Um das sicherzustellen, ist es gute Tradition, dass jede/r Konfirmand/in eine Bibel bekommt, in der Regel als Geschenk der Kirchengemeinde. In manchen Landeskirchen, z. B. in Württemberg, gibt es die schöne Tradition, dass die Bibeln feierlich überreicht werden, in der Regel in dem Gottesdienst, in dem die Konfis sich zum ersten Mal als Gruppe der Gemeinde präsentieren; dieser Gottesdienst heißt hier Vorstellungsgottesdienst. Früher hat auch einmal das Gesangbuch zur Grundausstattung einer evangelischen Christin gehört. Ich finde schade, dass diese Tradition gerade weitgehend am Aussterben ist.

Pimp Your Bible

Eine schöne Idee sind die Konfi-Bibeln mit weißem Einband, die man mit verschiedenen Techniken personalisieren kann. Mein badischer Kollege Stefan Kammerer hat hier ein paar richtig gute Ideen dazu entwickelt: https://www.die-bibel.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Bibel_zum_Selbstgestalten_Leitfaden_und_Arbeitsblaetter.pdf

Bibel digital

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Die Lutherbibel 2017 gibt es dank EKD-Initiative für ein Jahr kostenlos als App, hoffentlich auch darüber hinaus. Zusammen mit ein paar technikaffinen Konfi- und Jugendarbeitsleuten und der Deutschen Bibelgesellschaft arbeiten wir gerade daran, jugendgemäße Übersetzungen der Bibel baldmöglichst im Rahmen einer Konfi-Bibel-App zur Verfügung zu stellen.
Und jetzt bin ich gespannt auf Ihre Kommentare: Welche Erfahrungen haben Sie mit verschiedenen Bibelausgaben und -übersetzungen gemacht? Es wäre schön, wenn Sie das mit den anderen unten in den Kommentaren teilt.

Links

Hinweis: Der Artikel wurde zuerst hier veröffentlicht und leicht überarbeitet: http://thomas-ebinger.de/2016/11/was-ist-die-beste-konfi-bibel/

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Wie richtet man einen Online-Minetest-Server ein?

Minetest ist eine feine Sache und kann nicht nur Kindern stundenlange Spielfreude bereiten. Auch für Bildungszwecke lässt es sich einsetzen (siehe dazu Minetest mit Konfis). Aber wenn die Session vorbei ist, kann keiner mehr zu Hause daran weiter arbeiten. Oder gibt es vielleicht doch eine Lösung? Klar – einen Server einrichten. Was kompliziert klingt, ist es nicht, wenn man die genauen Schritte kennt. Und das Ganze ist nicht mal teuer. Für unter 5 Euro im Monat ist das zu haben, jederzeit kündbar.
Und so habe ich es gemacht: Man mietet sich den billigsten vServer bei Hetzner (https://www.hetzner.de/hosting/produkte_vserver/cx10) für derzeit 4,64 Euro im Monat. Die Einrichtung geht ziemlich schnell, wenige Stunden nach der automatisierten Anmeldung, die auch am Wochenende funktioniert, kann man schon loslegen. Bei der Einrichtung habe ich ubuntu gewählt, da kenne ich mich am besten auch. Debian ist für Experten auch eine gute Wahl.

Den Server steuern

minetestserverErst einmal muss man sich einloggen. Das geht per ssh. Unter Linux: ssh root@zugewiesene-IP, dann Passwort eingeben. Unter Windows wird meist PuTTY als
ssh-Client empfohlen (http://www.putty.org/). Und dann hat man die volle Kontrolle – aber oh Schreck: nur auf einer Kommandozeile. Wie man sich da zurechtfindet, kann ich hier nicht ausführlich erklären. Ein paar Befehle sollte man schon beherrschen (cd, ls, top, ps -A) sind die wichtigsten.
Nun aktualisiert man mit apt-get update die Paketquellen und installiert den minetestserver mit apt-get install minetestserver .

Den Server starten

Der Mintestserver ist leicht gestartet: einfach minetestserver eingeben, dann startet er mit der vorgegebenen Welt, die im Unterverzeichnis /root/.minetest/worlds/world liegt. Nun kann man sich mit einem beliebigen Minetest-Client auf dem Server anmelden. Die IP-Adresse ist die IP des Servers, der Port 30000.

Die Konfigurationsdatei minetest.conf

Nicht jeder wird mit der Standard-Ausgangswelt glücklich. Im Unterverzeichnis worlds kann man andere Welten hochladen, die bereits erstellt wurden. Am besten geht das per FTP (Filezilla, Port 22, u. U. muss vorher noch mit apt-get install vsftpd ein sicherer ftp-Server installiert werden).
Die wichtigsten Einstellungen nimmt man in der Datei minetest.conf vor, die man neu anlegen muss im Verzeichnis .minetest/ (der Punkt vor minetest bedeutet, dass dies ein versteckter Ordner ist, auf der Kommandozeile macht das aber keinen Unterschied).
Leider scheint der Server die config-Datei nicht automatisch zu erkennen, deshalb muss man sie beim Starten ausdrücklich mit angeben. Ebenso die gewünschte Spielwelt mit vollem Dateipfad (da bin ich mehrfach daran gescheitert, weil er dann einfach eine gleichnamige Spielwelt im aktuellen Verzeichnis anlegt.
So sieht meine minetest.conf derzeit aus:
creative_mode = true //startet die Welt im Kreativ-Modus
enable_damage = false //startet eine friedliche Welt, in der man niemand wehtun kann
server_announce = false // wenn man hier true eingibt, kann jeder Client die Welt über die öffentliche Serverliste finden und spielen
port = 30000 // bin mir nicht sicher, ob das nötig ist; könnte evtl. sinnvoll sein, den Port zu ändern, wenn man gezielten Portscans entgehen will
static_spawnpoint = -9,1,-172 // das führt dazu, dass jeder, der neu in de Welt kommt, an diesem Startpunkt herauskommt
disallow_empty_password = true // ein Passwort wird zur Pflicht
Der Befehl zum Starten des Servers sieht dann in etwa so aus:
minetestserver –config ~/.minetest/minetest.conf –world ~/.minetest/worlds/WUNSCHSPIELWELT
~ steht für das Benutzerverzeichnis. Man kann auf dem Server auch /root/ dafür angeben.

Wer ist der Chef? – Privilegien

Normalerweise ist man bei Minetest als Serverbetreiber mit grafischer Oberfläche selbst der Chef im Ring und hat alle Privilegien. Bei der puren Servervariante ist das etwas umständlicher. Am einfachsten ist es, sich einmal als Nutzer anzumelden, den Server zu stoppen (Ctrl. + C), die Benutzerpivligien in der Datei auth.txt mit einem Editor manuell anzupassen. Dort stehen viele kryptische Zeichen, irgendwann kommt „interact,shout“, da hängt man einfach die gewünschten Privilegien an (es reicht eigentlich „privs“ mit denen man sich und anderen alle Privilegien erteilen kann, man kann auch gleich „fly“ dazuschreiben, über den Wolken ist die Freiheit einfach größer.

Offene Fragen

Dieser Minetest-Server ist für mich ein Experiment. Was mir noch unklar ist:
a) Wie viel ausgehenden Traffic verursacht das Minetest-Zocken? Bei Hetzner heißt es zu diesem Thema:
*Der Trafficverbrauch ist kostenlos. Bei einer Überschreitung von 2 TB/Monat wird die Anbindung reduziert (Berechnungsgrundlage ist ausschließlich der ausgehende Traffic. Eingehender und interner Traffic wird nicht berechnet). Optional kann für 1,39 € je weiteres TB die Limitierung bei Überschreitung des Inklusivtraffics aufgehoben werden.
Leider gibt es keine Aussage dazu, auf welche Geschwindigkeit reduziert wird. Das müsste man mal ausprobieren, ob der Server dann noch spielbar ist.
b) Wie viele Spieler gleichzeitig verträgt ein solcher Server? Ich tippe darauf, dass es kaum mehr als 30 sein werden, habe aber keine Erfahrungswerte. Vielleicht gibt es einen Experten, der das hochrechnen kann? Falls die Kapazität nicht reicht, muss man halt den nächst größeren vServer mieten, der doppelt so viel Arbeitsspeicher mitbringt (und auch fast doppelt so teuer ist).

Ausprobieren

Gerne darf man meine Welt ausprobieren, ich lasse den Server mal eine Weile laufen. Einfach Minetest herunterladen (siehe dieser Beitrag), auf den „Client“-Tab gehen, die Server-Adresse 78.47.103.85 eingeben, bei Port 30000 , einen Benutzernamen und ein Passwort (lt. minetest.conf bei mir Pflicht, macht Sinn, damit Leute nicht so leicht aus Versehen oder absichtlich eine fremde Person kapern) eingeben – und los gehts. Da ich ein Backup der Welt habe, kann man sich gern austoben. Ich bin gespannt, was aus diesem Allmende-Projekt wird und ob es tragisch endet (zur Tragik der Allmende siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Tragik_der_Allmende) oder hoffnungsvoll.
Übrigens kann man Minetest auch auf dem Handy oder Tablet spielen. Um mal in eine Welt reinzuschauen, ist das ganz nett, auch wenn die Bedienung etwas umständlicher ist als am PC. Für android gibt es das hier: https://play.google.com/store/apps/details?id=net.minetest.minetest
Erst recht freue ich mich über Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge für diesen Artikel unten in den Kommentaren oder wo auch immer. Was muss man noch erklären, welche Einstellungen fehlen noch?

Links

Schöne Wiki-Einführungsseite von Birgit Lachner (wir kennen uns aus der netten Facbook-Gruppe Minecraft/Minetest und Bildung (für Lehrer/Pädagogen), sie betreibt auch einen eigenen Blog als superlehrer neben den vielen Wiki-Seiten, die sie erstellt) zu Minetest in der Schule: http://wiki.minetest.net/Minetest_in_der_Schule
So kann man einen Minetestserver auf einem Raspberry Pi einrichten:  http://wiki.minetest.net/Minetest_in_der_Schule/RaspberryPi-Server_anlegen_und_einrichten
Sinnvolle Minetestserver-Einstellungen: http://wiki.minetest.net/Minetest_in_der_Schule/Einstellungen_am_Server_vornehmen_und_Einrichten
 
 
Source: Wie richtet man einen Online-Minetest-Server ein?