Kategorien
Aus den Instituten News

Sex-Phantasie vs. Privatsphäre

Social Media ziehen Schamgrenzen offensichtlich neu: Die totale digitale Entgrenzung macht es schwer, auch in privaten Beziehungen angemessenes Verhalten zu zeigen. “Privatsphäre-Einstellungen” können da gerade für Jugendliche unbeabsichtigt zum Fallstrick werden. Umso besser, wenn Animations-Regisseur Bin-Han To (Twitter: @Biniman) das aufgrund seiner Herkunft  mit “OPHELIA: LOVE & PRIVACY_SETTINGS” auch transkulturell im Unterricht behandelbar macht. Schon in Arbeiten für “Der Kleine und das Biest” und “The present (das Geschenk)” zeigte er die unterrichtliche Relevanz seiner Produktion. Der Kurzfilm – gem. §60a UrhG als Werk “geringen Umfangs” vollständig unterrichtlich verwendbar (unter Beachtung der YouTube-Nutzungsbedingungen) – wird hier als interaktives Lernelement mit Stops und Quizfragen angeboten (H5P interactive video): [h5p id=”26″]
Die Grenze zwischen “nur Gedachtem”=Gedankenblase und “Ausgesprochenem”=Sprechblase ist nur in der ersten Szene klarer gezogen, als “Posts” gestaltet ist bei den Sex-Phantasien dann mit Absicht unklar, wie “öffentlich” sie werden – genau das bezeichnet wohl das Problem der “privacy settings” für Anwender.
Die herkömmliche Gender-Perspektive des Films ist nicht von der Hand zu weisen, kann aber beim Unterricht hilfreich thematisiert werden: z.B. Vermutungen anstellen, ob der Film von einer Frau oder einem Mann gemacht wurde und Begründungen dafür geben. Oder: Frauen geben Auskunft, wo sie selbst die Grenze zwischen anregend und offensiv bei sexuellen Phantasien ziehen würden (ob sie dem Regisseur darin Recht geben würden oder nicht).
Der Regisseur äußert sich auf der Filmhomepage zum visuellen “Making-Of” (siehe dort), darunter auch die Wahl der “portugiesischen” Lokalisierung der Handlung. Sein Film thematisiert für ihn das Ende der Privatsphäre und stellt seine Abschlussarbeit des Animationskurses bei der Ludwigsburger Filmhochschule 2013 dar.
Die Namensgebung des weiblichen Parts mit “Ophelia” kann auf eine bekannte Frauenrolle in Shakespeares Hamlet verweisen. Sie wird dort als naiv und (der Zeit entsprechend) patriarchal-abhängig von männlichen Vormündern charakterisiert (siehe Lektürehilfe). Sie lässt sich von ihnen abbringen, Hamlet zu lieben, weil ihr eingeredet wird, ihm gehe es nur um seine sexuelle Befriedigung und er habe nicht ernsthaft die Absicht, sie zu heiraten. Zum Schluss wird sie wahnsinnig und geht ins Wasser (4.Akt, siehe Inhaltsangabe). Womöglich hilft dieser Hintergrund zum Verständnis in bildungsbeflissenen Adressatengruppen.
Bildungsplanbezug Bildungspläne Baden-Württemberg 2016

  • REV GY Kl. 9-10 = Sek.I Kl. 10(3.3.1 Mensch) Schüler*innen können “sich mit Ausprägungen von Liebe, Partnerschaft und Sexualität auseinandersetzen (zum Beispiel in kultureller Bedingtheit, gesellschaftlichem Wandel, medialer Darstellung, biblischer Deutung)” (TK 4 = TK 1 E  Mögliche Fachbegriffe: Ebenbild Gottes, Verantwortung, Gleichberechtigung).
  • REV Sek. I Kl. 7-9 (3.2.2. Welt und Verantwortung) Schüler*innen können “Möglichkeiten für einen christlich verantworteten Umgang mit ethischen Herausforderungen (z. B. … Online-Verhalten…) erläutern” (TK 2 M)
  • REV GY Kl. 7-8 (3.2.1. Mensch) Schüler*innen können “Hintergründe krisenhafter Situationen (zum Beispiel … Liebeskummer…) und Strategien zur deren Bewältigung entfalten” (TK 3 – Mögliche Fachbegriffe: … Umgang mit digitalen Medien; Kommunikation in sozialen Netzwerken; … Identität; … soziale Rolle)
Kategorien
News

Religion darf "bei begründetem öffentlichen Interesse" genannt werden

Bisher durften Journalisten Herkunft und Religion nur nennen, wenn ein “begründbarer Sachbezug” zu einer Straftat bestand. Der Presserat hat diese Richtlinie neu formuliert: Die Herkunft oder Religion von Tatverdächtigen könne dann genannt werden, “wenn ein begründetes öffentliches Interesse vorliegt”. Kritiker wie die Medienwissenschaftlerin Christine Horz sehen darin eine Aufweichung der “Diskriminierungsrichtlinie”.
Zum Interview des Mediendienstes Integration mit Christine Horz

Kategorien
Medien News

Das Mädchen Wadjda: Film und Unterrichtsideen

“Ich wollte Frauen und Mädchen in ihrem Zutrauen zu sich selbst bestärken!”, sagt die saudische Regisserin Haifaa Al Mansour über ihr Spielfilmdebüt.
“Das Mädchen Wadjda” ist die erste große Filmproduktion in Saudi-Arabien überhaupt. Der Spielfilm handelt von der zehnjährigen Wadjda, die Turnschuhe trägt, westliche Popmusik hört und sich – entgegen aller Traditionen – ein Fahrrad wünscht. Gegen alle Widerstände kämpft sie um die Erfüllung ihres Traums. Damit begehrt sie gegen patriarchalisch geprägte Wertvorstellungen auf und fordert ihre Eltern sowie ihr Schulumfeld heraus.
Hier der Film in der NDR-Mediathek in der inklusiven Hörfassung (Abspielen mit Linksklick und dann Download mit Rechtslick):


Vermutlich wird der Film am 21.3.2017 wieder in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken depubliziert.
Doch er wird weiterhin in den Medienzentralen zum Download angeboten:
https://medienzentralen.de/medium21040/Das-Maedchen-Wadjda
und steht als Streamingangebot auf youtube
Neben der Filmbesprechung bietet kinofenster.de ein Interview mit der saudischen Regisseurin Haifaa Al Mansour über ihr Spielfilmdebüt und die Drehbedingungen. Ergänzend dazu hat kinofenster.de mit der Nahost-Historikerin Ulrike Freitag über die Situation von Frauen und Mädchen im saudischen Königreich gesprochen. Unterrichtsvorschläge und ein Arbeitsblatt können direkt im Unterricht ab der 5. Klasse und insbesondere in den Fächern Deutsch, Ethik, Religion, Politik sowie Sozialkunde/Gemeinschaftskunde zur Vor- und Nachbereitung des Kinobesuchs eingesetzt werden:
http://www.kinofenster.de/download/monatsausgabe-das-maedchen-wadjda.pdf
Die folgenden Arbeitsblätter von http://www.durchblick-filme.de sind in einen thematischen (inhaltlichen) und einen ästhetischen (filmsprachlichen) Bereich unterteilt, wobei es zu Überschneidungen und Überlappungen kommt. Diese lassen sich im praktischen Unterrichtseinsatz sinnvoll nutzen, indem aus beiden Bereichen mindestens je ein Arbeitsblatt zum Einsatz kommt.
Mit Hilfe der chronologisch zusammengestellten Arbeitsblätter lassen sich schwerpunktmäßig die folgenden Aspekte aufgreifen und Schritt für Schritt vertiefen:

  • Informationen (und eine Auseinandersetzung) über Saudi-Arabien, die muslimische Religion und die dort herrschende Gesellschaftsordnung.
  • Vergleiche mit der eigenen Lebenswirklichkeit in Deutschland.
  • Empathie und Engagement für die Gleichbehandlung und Gleichwertigkeit von Frau und Mann überall auf der Welt.

Inhaltlicher Zugang

Filmsprachliche Mittel

19 Aufgaben finden sich darüber hinaus hier auf einem Arbeitsblatt von edugroup.at (PDF) 

Weiterführende Links:

Kategorien
Medien News

MrWissen2go: Die Wahrheit über das Internet


 
Das Internet ist eine tolle Sache – aber gleichzeitig auch eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben und für die Demokratie. Warum, das erklärt dieses Video.
Ein tolles Beispiel von MrWissen2go (Mirko Drotschmann) über eine Videofälschung, das sich hervorragend zu den Themen Medienpädagogik, Wahrheit und Lüge, Hassvideos oder Diskriminierung eingesetzt werden kann.