Japan, 1638. Zwei junge Jesuitenpriester reisen aus Portugal an, um den “abtrünnigen” Pater Ferreira zu suchen. Er soll seinem Glauben abgeschworen, sich dem Druck der japanischen Inquisitoren gebeugt haben, die das Christentum aus dem Land verbannen wollen. Doch die beiden glauben fest an Ferreira und trauen den Gerüchten nicht. Tatsächlich finden sie in Japan gläubige Christen, die sich im Untergrund versteckt halten, um nicht eingesperrt, gefoltert und getötet zu werden. Dennoch sind sie nicht bereit, ihren Glauben zu verraten. Doch genau das ist das Ziel der Inquisitoren – die bald auch die beiden Portugiesen dazu zwingen wollen, ihrem Gott abzuschwören. (nach: Katholisches Filmwerk, Bildungslizenzanbieter)
USA, 2016, 156 Min. empfohlen ab 14 Jahren, FSK 12 R.:Martin Scorsese mit: Adam Driver, Liam Neeson, Andrew Garfield u.a.
Filmrezension
Der gegenwärtige Stand der Diskussion über Religion, ihren Anspruch und ihre öffentliche Bedeutung muss ganz sicher den Ausgangspunkt für diesen Rückblick auf eine Zeit bilden, in der hierzulande für die Wahrheit der eigenen Konfession noch Krieg geführt und gestorben wurde. Dann scheint sich je nach “Leserichtung” unsere Einschätzung der überlangen aber eindrücklichen filmischen Darstellung der ungewöhnlichen Geschichte aus dem 17. Jahrhundert (nach dem Buch “Schweigen” des japanischen Katholiken Endō Shūsaku) in eine andere Richtung zu neigen: entweder in die eines nostalgischen Lobliedes furchtloser Glaubensmärtyrer des Christentums, gestaltet nach Art eines Passionsspieles. Oder in die der grundsätzlichen Skepsis, ob “Wahrheit” in fremde Kontexte ohne Kulturkampf überhaupt verpflanzbar ist, Religion wie die des Christentums also Missionstätigkeit rechtfertigt.

Martin Scorsese (“Die letzte Versuchung Christi” 1988, “Gangs of New York” 2002,  “Shutter Island” 2010) hat die Realisierung dieses  von der Deutschen Film – und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat “besonders wertvoll” ausgezeichneten Filmes zwei Jahrzehnte lang hartnäckig persönlich verfolgt, also drängt sich die Klärung der grundsätzlichen Aussageabsicht schon auf. Seine persönliche Audienz bei Jesuitenpapst Franziskus (der das Buch zum Film offenbar kennt) sowie die Vorab-Erstaufführung des Films vor ausgewählten Repräsentanten der “Gesellschaft Jesu” im Vatikan legen die erstgenannte Sichtweise nahe. Aber der Altmeister – früher selbst Ministrant – macht es uns und sich nicht so einfach. Mehr als die offen ausgetragenen Glaubenszweifel der beiden jungen Jesuiten, die ihrem geliebten Lehrer gefahrvoll hinterherreisen sind es die zwiespältigen Strategien im Umgang mit Verfolgungsdruck, die das feste Fundament der Überzeugung erschüttern: ist es klüger, auf konsequenten Bekennermut zu verzichten, um unschuldige Leben zu retten? Und warum muss nur die einheimische Herde leiden, und die europäischen Hirten schauen aus sicherem Versteck zu? Ist ein Glaube, der jahrelang von originärer Lehre und Praxis abgeschnitten war, überhaupt noch christlich oder wird er zum fetisch-magischen Verfallsprodukt (das wurde wirklich ein Problem für Japans sog. “verborgene Christen” nach 200 Jahren Verbot aller Außenkontakte)?
Vollends zweifelhaft wird das Spiel mit Standhaftigkeit, Bekennermut, Verrat und Reue, wenn endlich klar wird, dass der gesuchte Lehrer sich als Japaner vollständig assimiliert hat und die Übersetzung des Christentums in die japanische Denktradition für unmöglich hält. Denn eine religionsphilosophische Meditation kann das nie und nimmer werden, auch wenn der Film uns offenbar daran teilhaben lassen möchte: besonders die japanischen Shogun-Beamten machen uns das klar, weil ihre freundlich-höflichen Diskursangebote an die gefangenen Europäer immer unter dem Vorzeichen der Folter stehen. Und es sind ausgesucht-perfide Foltermethoden, die sie uns vorführen (trotz FSK 12 nicht unter 15 Jahren verkraftbar). Sie möchten uns das öffentliche Treten auf christliche Andachtsbilder als reine Formsache erscheinen lassen, die weiteres Leiden Unschuldiger vermeiden hilft. Wobei es bei einmal Treten nicht sein Bewenden hat, weil der von ihnen unverstandene Glaube dann doch hartnäckiger erscheint. Es wird nicht ganz klar, worin sie eigentlich die Größe der Gefahr sehen, die das Christentum für Japan darstellt (umso klarer, was es für ihre Machtstellung gegenüber der armseligen Fischerbevölkerung bedeutet). Genauso absurd wirkt auf der anderen Seite ein offenbar schwach geborener Wiederholungs-“Judas” mit seiner in Endlosschleife wiederkehrenden Sucht nach Buße und Absolution.
Der gerade auch in neblig-nassen Naturaufnahmen bildstarke Film leistet einen ausgesprochen guten Dienst darin, Zweifel in beide Richtungen zu säen – in die der Glaubensüberzeugten genauso wie die der Religionskritiker. Das entspricht, wenn man ehrlich ist, eben genau der gegenwärtigen Wahrnehmung von überkommener Religion – nicht mehr und nicht weniger. In seiner Ausführlichkeit entfaltet der 2 1/2-Stünder dieses Potential allerdings erst in der Kursstufe und nach eingehender Beschäftigung (etwa in Neigungskursen) – das Kath. Filmwerk (Anbieter) sieht ihn von vorneherein nur in “akademischen, universitären Kontexten sowie … der Erwachsenbildung”, gibt dem Film aber zumindest eine auch für die Schule nützliche und verdienstvoll umfassende Linkliste als Begleitmaterial (unten wiedergegeben) bei – Hinweise auf zwei weitere Verfilmungen des Stoffes inbegriffen.

Linkliste

Weiter:

Andere Medien:

Der Roman des katholischen Romanautors Shûsaku Endô:

Dazu gibt es bereits zwei Verfilmungen:
1971 von Masahiro Shinoda als CHINMOKU
https://en.wikipedia.org/wiki/Silence_(1971_film)  https://en.wikipedia.org/wiki/Masahiro_Shinoda  
1996 von João Mário Grilo als OS OLHOS DA ÁSIA
https://en.wikipedia.org/wiki/Jo%C3%A3o_M%C3%A1rio_Grilo  https://en.wikipedia.org/wiki/Os_Olhos_da_%C3%81sia   

 

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