Martin Luther – Ein Mönch verändert die Welt

  • Die fast 30seitige großformatige farbige Broschüre aus dem Evang. Medienhaus Stuttgart  (auch über den Museumsladen der Wartburg erhältlich) zeichnet wesentliche Stationen in Luthers Leben nach. Die Bildsprache greift genretypische Kindercomics auf und spricht Zielgruppen bis etwa Kl. 5 an. Der sprachlich anspruchsvolle Text hätte durchaus noch etwas “leichter” und kindgerechter sein können. Grundschul- und Sek.l-Lehrkräfte werden sich für anregende Unterrichtsphasen das Heft (als Ganzschriftlektüre für sicher mindestens 4 Unterrichtsstunden) in Klassensätzen zum Ausleihen bei ihren Verleihstellen wünschen. Attraktiv für Reli-Beteiligung an bilingualem Unterricht: auch in englischer Sprachfassung
    © Evang. Medienhaus Stuttgart, mit frdl. Genehmigung

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    erhältlich. Der bildungsrelevante Charakter des Heftes wird unterstrichen durch eine Doppelseite am Schluß mit Luthers tabellarischen Lebenslauf (Erfindungen und Aufbrüchen betonen als Bildmarken den Übergang zur Neuzeit) und mit einer Landkarte, die geografische Schwerpunkte Luthers sichtbar macht.

Die “dunkle” Seite von Luthers Gefühlslage wird auffällig betont und mit allerhand höllischem Personal großflächig in Szene gesetzt. Kinder werden sich davon angesichts gewohnter altersgemäß “gruseliger” Bildkonventionen nicht schrecken lassen. Damit zieht das Heft die Bilanz Luthers ab 1530 als eine durchaus zwiespältige, was einer Heldenverehrung entgegenwirken kann. Ansonsten wird auf die eher legendären Momente (Tintenfass nach dem Teufel werfen, Hammerschläge an der Schloßkirchentür zu Wittenberg) natürlich nicht verzichtet und Bildwirkungstraditionen (z.B. Reichstag Worms, Luthers musikidyllisches Familienleben, Unruhen in Wittenberg) sind in ihrem Wiedererkennungswert aufgegriffen. “Explizite” Anblicke bleiben sparsam und werden Kinder kaum ablenken.  Der Augsburger Reichstag 1530 mit dem für die Evangelischen bedeutsamen Ergebnis der Confessio Augustana tritt zugunsten des anschließenden Bundes von Schmalkalden eher in den Hintergrund. Zwingli (“Wir Täufer machen es richtig” – ?) verabschiedet sich kurz angebunden mit “Papperlapapp! Ich eröffne meine eigene Kirche in der Schweiz”. Katharina von Bora agiert gewohnt resolut (“So, jetzt wird hier aber erst mal aufgeräumt und sauber gemacht!” – “Ist das denn so wichtig?”, entgegnet der selbstvergessene Gelehrte Luther über ein Buch gebeugt), aufständische Bauern schreien “Buuh” bei Luthers Auftritt (dass der Reformator vor Bauernheeren sprach, dürfte schwer belegbar sein) und Melanchthon als kleines Männlein begeistert sich für Schulen und Bildung.

 

Wenige historische Schwächen – im Ganzen für den Unterricht empfehlenswert !
Dr. Uwe Hauser, Experte für Kirchengeschichte und Direktor RPI BadenDrUweHauserRPIBaden

© Evang Medienhaus Stuttgart, mit frdl. Genehmigung

Engl. Leseprobe: anwählen © Evang Medienhaus Stuttgart, mit frdl. Genehmigung

 
 
 
 
 
 
 
 

Mit den Abrafaxen durch die Zeit

© Mosaik Verlag 2016

© Mosaik Verlag 2016


Mit tatkräftiger Unterstützung der Geschäftsstelle des Lutherjahres werden Abrax, Brabax und Califax in bislang vier Heften – das erste mit Beilage eines aufklappbaren Groß-Leporellos: Landkarte Sachsens, dramatis personae –  durch die Zeit um 15717 in die Stammlande der Reformation und nach Wittenberg geschickt. Sie werden dabei zu Begleitern des fiktiven Haupthelden Michael Drachstädt, der wegen seines Zeichentalents in die Lehre bei Lucas Cranach gehen soll.

Bisher legt die von der Stiftung Lesen empfohlene Reformations-Serie im genretypischen Heftformat (jeweils ca. 50 Seiten) mehr Wert auf die Veranschaulichung äußerer Lebensverhältnisse der ZeBeitrag ansehenit (z.B. Bergbau, Adel/ Bürgertum, Reisen, Gastwirtschaft, Vergnügungen, Universität) als auf die Vermittlung von direkt religionspädagogisch auswertbaren Motiven. Man stellt sich die Verwendung der Hefte (immer mit einem Mittelteil als bebildertes Wissensmagazin aufwändig ausgestattet) daher eher im Sachunterricht / Geschichte vor. Ältere Grundschulkinder und auch noch 5tKlässler*innen sind die passende Zielgruppe. Für sie sind die eher harmlosen Späße und Aufregungen genau richtig. Immerhin wird die skandalöse Praxis des Ablasshandels sowie damals verbreiteter Aberglaube für Kinder eindringlich verdeutlicht. Natürlich will die unterhaltsam beabsichtigte Haupthandlung selbst nicht historisch sein, kann aber doch erfreulich gut Details von damals einarbeiten (z. B. die “Klingelschweine” der Wittenberger Antoniter). Luthers Biographie und Wirkung bleibt bislang (allerdings seriös fundierte) Nebenhandlung. Die Abrafaxe bringen den Reformator erst auf die Idee, dass Latein (bildungsbeflissen: vereinzelt in die Dialoge eingestreut!) in der Bibel für viele vielleicht erst einer Übersetzung bedarf und liefern sich mit Tetzel und seinen Handlangern  ein Handgemenge mit wilder Verfolgungsjagd.

Viel kindgemäße Unterhaltung, anerkennenswert historisch fundiert – aber für Reli bisher zu wenig von Luther zu sehen. Die Ost-Perspektive bleibt unverzichtbar…
Dr. Uwe Hauser, Experte für Kirchengeschichte und Direktor RPI BadenDrUweHauserRPIBaden

Galerie: Durch anwählen, dann drücken Beispielseiten aus Mosaik Nr. 483 (S.2-4.49) und Nr. 486 (S.42) groß erhalten.

Kategorien: News

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