Die hessische Kultusministerin Nicola Beer hat die Entscheidung zum bekenntnisorientierten (islamischen) Religionsunterricht bekannt gegeben: „Der DİTİB Landesverband Hessen e.V. und Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik Deutschland e.V. erfüllen die Voraussetzungen nach Artikel 7 Absatz 3 Grundgesetz und stehen somit als geeignete Kooperationspartner für die Einrichtung von bekenntnisorientiertem Religionsunterricht zur Verfügung.“ 
Justiz- und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn sprach von einer „historischen Entscheidung“, die den Willen zur Integration und zum gemeinsamen, konstruktiven Zusammenleben belege. „In unseren Schulen werden muslimische Kinder in ihrer eigenen Religion und nach den Werten, die das Grundgesetz vorgibt, unterrichtet. Dazu gehören die Würde eines jeden Menschen, Achtung vor dem Nächsten, Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Gleichberechtigung von Frauen und Männern.Unsere Schülerinnen und Schüler sollen sich damit auseinandersetzen, dass es neben Shopping, Handys und Clubs auch noch Größeres und Höheres gibt, das uns Halt und Richtung gibt im Leben. Die Entscheidung für bekenntnisorientierten (islamischen) Religionsunterricht möchte ich als Werbung für den bekenntnisorientierten Religionsunterricht insgesamt verstehen.“

Wappen Hessen

Wappen Hessen


„Der bekenntnisorientierte Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ist seinem Wesen nach eine staatliche Veranstaltung wie jedes andere Unterrichtsfach auch“, so Kultusministerin Nicola Beer. „Dies gilt unabhängig davon, für welche Konfession der Religionsunterricht eingerichtet ist. Er wird als ordentliches Lehrfach in staatlicher Verantwortung, d.h. nach staatlichen Curricula, in deutscher Sprache und grundsätzlich durch staatliche Lehrkräfte erteilt. An staatlichen Schulen darf kein Religionsunterricht erteilt werden, der den Erziehungszielen des Staates und unserer Verfassung widerspricht. Die verfassungsmäßige Funktion der als Kooperationspartner mitwirkenden Religionsgemeinschaften besteht allein darin, auf die Übereinstimmung des Unterrichts, also der Unterrichtsinhalte und des Lehrpersonals, mit ihren bekenntnismäßigen Grundsätzen zu achten.“
Die Einrichtung des Unterrichtsfachs startet im Schuljahr 2013/2014 für bis zu 25 Grundschulen in Hessen in Klasse 1 an. Der Unterricht wird dann sukzessive von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe ausgeweitet. Gehalten wird der Unterricht von Lehrkräften, die bereits im hessischen Staatsdienst stehen.

Die Kooperationspartner

Der Ditib Landesverband Hessen und die islamische Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat dürfen künftig einen bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht in Hessen anbieten.
Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. – die Abkürzung Ditib leitet sich aus dem türkischen Namen her – zählt zu den größten islamischen Organisationen in Deutschland. Sie ist ein Dachverband der türkisch-islamischen Vereine und wurde 1984 gegründet. Die Ditib gilt als gemäßigt orthodox. Der Landesverband Hessen hat eine unabhängige Kommission für den Religionsunterricht, um sich von der staatlichen Religionsbehörde der Türkei abzusetzen. In Hessen vertritt der Landesverband etwa 12 000 eingetragene Mitglieder. Prof. Dr. Izzet ER, Vorsitzender des DITIB-Bundesverband begrüßt die Entscheidung: „Ein bekenntnisorientierter Religionsunterricht, gerichtet an Schüler der entsprechenden Glaubensgemeinschaft, fördert eine kundige, religiöse Bildung. Er ermöglicht reflektierte Selbst- und Fremdwahrnehmung, vermittelt darüber hinaus ethisch-universelle Werte und trägt zur ganzheitlichen Entwicklung der Persönlichkeit als angenommener Teil der Gesellschaft bei.

Ahmadiyya Muslim Jamaat


Die Ahmadiyya Muslim Jamaat versteht sich als Reformgemeinde, die sich auf die ursprüngliche Lehre des Islam beruft. „In der heutigen Zeit, da der Islam falsch interpretiert, falsch verstanden und falsch dargestellt wird und die Welt im Islam eine Gefahr sieht, ist die Ahmadiyya eine Organisation des Islam, die ohne Bedingungen ausschließlich Frieden und Harmonie lehrt“, beschreibt sich die Gemeinschaft. In Hessen gehören der Ahmadiyya rund 14 000 Mitglieder an.

Islamische und christliche Religionspädagogik im Dialog

In mehreren Bundesländern sowie in Österreich ist islamischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen eingeführt worden oder befindet sich, so wie in Bayern, im Modellversuchsstadium. Um eine ordentliche Ausbildung von Lehrern für den islamischen Religionsunterricht sicher zu stellen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung an mehreren Standorten (Tübingen, Münster, Frankfurt und Erlangen-Nürnberg) die Einrichtung von Professuren für islamische Theologie unterstützt.
Austausch, Voneinander-lernen und verstärkte Kooperation waren bereits im Herbst 2012 die Ziele einer Tagung von Hochschulprofessoren und –dozenten aus ganz Deutschland und Österreich, die für die Ausbildung künftiger christlicher und islamischer Religionslehrer verantwortlich sind. „Wir hoffen, dass die Tagung auch einen unterstützenden Beitrag zum Aufbau und Ausbau des islamischen Religionsunterrichts Deutschland leisten kann“, sagte Manfred Pirner, Professor für evangelische Religionspädagogik und Vorsitzender der Gesellschaft für wissenschaftliche Religionspädagogik (GwR) – vormals „Arbeitskreis für Religionspädagogik (AfR)“ –, die die Tagung, die in Berlin stattfand, initiiert hatte. Mehr in diesem Artikel.

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1 Kommentar

Interreligiöses Tagebuch » Archiv » Islamische Theologie – Islamische Religionslehrerausbildung an deutschen Universitäten · 19. Juni 2013 um 15:29

[…] Islamischer RU ab Schuljahr 2013/14 in Hessen (Übersicht bei rpi-virtuell) […]

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