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Soziale Medien: Joseph Kony – Internet-Hype um einen Kriegsverbrecher

Das Video “Kony 2012” wurde mittlerweile mehr als 70 Millionen mal geklickt. Was macht die Faszination aus und was sind die wirklichen Fakten?
Ein hollywoodreifes Video der amerikanischen Nonprofitorganisation Invisible Children hat es sich zum Ziel gemacht, den von Den Haag gesuchten afrikanischen Milizenführer und seine Gräueltaten  bekannt zu machen, damit er gefasst werden kann. Kony bekanntzumachen, das scheint gelungen. Das Video wird in den sozialen Netzwerken weltweit im Moment so oft weiterempfohlen, wie kein ein anderes. Ob das allerdings für die Jagd auf den Massenmörder nützlich ist, das ist höchst umstritten.

Joseph Kony

Joseph Kony ist der Anführer der Lord’s Resistance Army („Widerstandsarmee des Herrn“, LRA), einer Rebellengruppe, die die Zivilbevölkerung im Norden Ugandas terrorisiert und der Regierung Ugandas unter Yoweri Museveni den Krieg erklärt hat, mit dem Ziel, ein theokratisches Herrschaftssystem in Uganda einzuführen, das auf den Zehn Geboten basiert. Die von Kony angeführte Lord’s Resistance Army hat geschätzte 66.000 Kinder entführt und zu Soldaten gemacht und ist für die interne Vertreibung von 2 Millionen Menschen verantwortlich. Nach fast 20 Jahren Terror wurden 2004 die Ermittlungen beim Internationalen Strafgerichtshof eingeleitet. Der Haftbefehl gegen Joseph Kony nennt 33 Anklagepunkte. Bisher schaffte es die Armee immer wieder, sich in entlegene Gebiete des Kongo, Zentralafrikas oder des Sudans zurückzuziehen. Ende 2011 schickte US-Präsident Barack Obama 100 Soldaten nach Uganda, um die dortige Armee bei der Jagd nach Kony unterstützen.

Invisible Children

Der amerikanische Filmemacher und Regisseur des Videos, Jason Russell, setzt sich schon seit fast zehn Jahren für die Festnahme Konys ein. Damals hatte er einen Jungen interviewt, dessen Bruder in Uganda von der LRA mit einer Machete umgebracht worden war. Russells Gegner sagen, dass der Film unter anderem inhaltliche Fehler habe und nicht gut genug recherchiert sei. Vor allem sei das Video mit persönlichen Bemerkungen gespickt und voller Klischees, auch sei nicht klar, was “Invisible Children” mit dem gespendeten Geld genau vorhat. Möglich wäre auch, dass die Internet-Offensive dem Präsidenten Yoweri Museveni in die Hände spielt. Dieser ist schon seit 1986 an der Macht, hat keine Absichten, in Bälde abzutreten – und konnte in seiner Amtszeit lange nichts gegen Kony und dessen Schergen ausrichten. Der Staatschef geht hart gegen jede oppositionelle Bewegung vor und lässt Homosexuelle verfolgen. Sein Name wird in dem Videoclip nicht einmal erwähnt.

Begeisterung und Kritik im Netz

Von Twitter über die internationalen Medien bis in die Washingtoner Politik ist der Name von Joseph Kony nun allgegenwärtig. Der Plan, ihm bis zum 20. April zu weltweiter Bekanntheit zu verhelfen, scheint schon nach wenigen Tagen aufgegangen zu sein. Die Kritik nimmt nun ebenfalls viel Raum ein, so stellt Johnny Haeusler auf seinem Blog Spreeblick einige kritische Überlegungen an, Alexandra Endres titelt bei der ZEIT “Kony 2012 jagt den Falschen” und die englischprachige Bewegung “Visible Children” hat es sich zum Ziel gemacht, die Non-Profit-Organisation “Invisible Children” zu durchleuchten. Ein Bild der bewaffneten Filmemacher sorgt ebenfalls für Irritationen.

Kony 2012

Es wäre sicherlich eine pädagogische Herausforderung und ein wichtiger Schritt hin zu mehr Medienkompetenz, wenn sich anhand dieser erfolgreichen und zugleich kontrovers diskutierten Kampagne, Schülerinnen und Schüler aufmachen würden, um Quellen zu recherchieren, Fakten zusammenzutragen, Motivationen der Macher benennen und Erfolgsfaktoren der Kampagne identifizieren.
Als Auftakt dazu soll dieser Artikel dienen. Hier noch zu guter Letzt das vielbeachtete Video:
httpv://www.youtube.com/watch?v=Y4MnpzG5Sqc

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