Die Bildungsansprüche von Eltern an die Schule sind in den vergangenen Jahren nach Auffassung des Erziehungswissenschaftlers Eiko Jürgens unterschiedlicher geworden. Ihre Unsicherheit in Bildungsfragen wachse durch Studien wie PISA oder Medienberichte, sagte der Professor der Universität Bielefeld in einem epd-Gespräch. “Auf der einen Seite können sich Eltern nicht sehr umfassend informieren, weil sie noch andere Dinge zu tun haben, und auf der anderen Seite ist die Erziehungsratgeberliteratur explodiert.” Das führe beispielsweise zu Auffassungen, dass Kinder so früh wie möglich drei Sprachen lernen sollten.
Jürgens warnte davor, das öffentliche Schulsystem zu kritisieren: “Da, wo ein Mangel ist, muss man ihn benennen und da wo Vorteile sind, muss man sie auch benennen.” Eltern sollten zu Hause keine Stimmung gegen Schule erzeugen. “Das ist nicht leicht, aber es bringt überhaupt nichts, wenn man den Kindern sagt, die Schule ist eigentlich nichts, aber du musst da hingehen”, betonte der Pädagoge. Es bestehe die Gefahr, dass Kinder dann wirklich ungern zur Schule gingen.
Es ist dem Erziehungswissenschaftler zufolge problematisch, wenn Eltern ihre Kinder selbst unterrichten. Dadurch vermittelten sie ihre Einstellungen nicht nur in der Erziehung, sondern auch im Unterricht. “Das Kind wird gar nicht in dem Maße mit unterschiedlichen Ansichten wie in der Schule konfrontiert”, betonte Jürgens.
Allgemein sei es auch in der Schule wichtig, dass nicht derjenige den Schüler bewerte, der ihn auch fördern solle. Zu Hause sei eine Benotung durch die Eltern wegen der emotionalen Bindung belastend. Im Gegensatz dazu müsse der Lehrer in der Nachhilfe seinen Schüler beispielsweise nicht zensieren, was zum Erfolg dieses Angebots beitrage, erklärte der Pädagogik-Professor. Denn eine andere Person beurteile die Leistungen des Kindes und damit auch des Nachhilfelehrers.
epd pat cez
Quelle: www.contentpool.evangelisch.de

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