Die Sinti und Roma bilden mit geschätzten zehn bis zwölf Millionen Menschen die größte ethnische Minderheit in Europa. In Deutschland leben rund 70.000 Roma mit deutscher Staatsbürgerschaft. Rund 50.000 sind Schätzungen zufolge als Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien gekommen.
Sie leben in ungewisser Duldung und müssen in vielen Bundesländern ständig mit ihrer Abschiebung in das Kosovo rechnen.
Voller Stolz singt der zehnjährige Tony in glockenklarem Knabensopran sein Solo. Dann stimmt der Chor ein und erfüllt den Raum mit leidenschaftlichem Gesang. Einmal pro Woche treffen sich die rund 20 Mitglieder des Kölner Chores “Bachtale Chave”, um traditionelle Roma-Lieder zu singen. “Das sind unsere Lieder, die auch meine Familie singt”, sagt die 25-jährige Nana, die mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern zum Chor kommt und sich dort “wie zu Hause” fühlt. Dort kann sie eine Weile den Alltag im Flüchtlingsheim vergessen, wo sie mit anderen Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien lebt.
In dem Chor singen unter Leitung der Roma-Musikerin Beata Burakowska Roma und Nicht-Roma gemeinsam. Er wurde Anfang des Jahres von Rom e.V. ins Leben gerufen, einem Verein, der sich seit mehr als 20 Jahren für Verständigung einsetzt. “Rom”, das heißt in der Sprache der Roma “Mensch”.
Der Verein betreibt ein Dokumentationszentrum zur Geschichte und Kultur der Roma, eine Sozialberatungstelle und einen Alphabetisierungskurs. Seit 2004 unterhält er in seinen Räumen am Rande der Kölner Innenstadt auch eine eigene Schule: “Amaro Kher” zu deutsch “Unser Haus”.
Mittlerweile hat sich die Schule als Sprungbrett für die Integration der Roma-Kinder in staatliche Regelschulen etabliert. Hier bekommen die 30 Schüler und 20 Kindergartenkinder das nötige Wissen und das nötige Selbstvertrauen, um im angespannten Flüchtlingsdasein und im deutschen Schulalltag bestehen zu können.
“Es gibt immer noch sehr viele Vorurteile gegenüber den Roma-Kindern”, sagt Christoph Schulenkorf, einer der drei Lehrer von “Amaro Kher”. Um Stereotype abzubauen, veranstaltet Rom e.V. beispielsweise eine Kultur-Karawane durch die Kölner Schulen, bei der über die Roma aufgeklärt werden soll. “Damit”, wie Schulleiterin Marlene Tyrakowski sagt, “die Kinder stolz sein können, welche Kultur hinter ihnen steht”.In Deutschland gibt es zahlreiche Projekte, die ähnlich wie Rom e.V. in Köln Bildungssituation und Arbeitsmarktchancen von Sinti und Roma verbessern wollen, unter anderem Schulmediatoren in Berlin und eine Kindertagesstätte in Frankfurt am Main.
Aufklärung will auch Marko Aladin Sejdic betreiben. Der 40-jährige Rom aus Italien, der seit 15 Jahren als Schriftsteller in Köln lebt, bietet bei Rom e.V. einen Romanes-Kurses an. Anders als viele Roma setzt sich Sejdic dafür ein, seine Sprache zu verschriftlichen und dabei den schwierigen Versuch zu unternehmen, das aus zahlreichen Dialekten bestehende Romanes auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Er will das Romanes, das aufgrund der geringen Verschriftlichung auch als “Geheimsprache” gilt, mit den Nicht-Roma teilen. Denn für Sejdic funktioniert Integration nur, wenn sich “beide Seiten integrieren”, wie er sagt.
Sejdic wünscht sich mehr Anerkennung für die Roma. “Die Roma sollen nicht nur Alibi, sondern gleichberechtigte Mitarbeiter sein”, sagt er und setzt vor allem auf gemeinsame Kunst- und Kulturprojekte wie den Chor “Bachtale Chave”. Ganz im Sinne von Chorleiterin Beata Burakowska, die mit der Gitarre auf dem Schoß noch einmal “jak, dui, tre” anzählt und zusammen mit dem Chor die Roma-Seele lebendig werden lässt.
Hinweis: Überregionale Fortbildungen und Seminare zum Erfahrungsaustausch von Sinti und Roma, die in der Schule arbeiten, organisieren die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V. Berlin.
www.raa-berlin.de
www.romev.de
epd ana cez
Quelle: www.contentpool.evangelisch.de

Kategorien: News

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.