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Unruhe um islamischen RU in Österreich

Seit 25 Jahren gibt es regulären islamischen Religionsunterricht in Österreich. Eine Studie, wonach ein Fünftel der islamischen Religionslehrer die Demokratie für unvereinbar mit ihrem Glauben halten soll, hat nun große Unruhe geweckt. 

  • Presseberichte über die Studie
  • Reaktionen
  • Hintergrund
  • Christlich-muslimische, religionspädagogische Zusammenarbeit in Linz

 

Studie "Islamischer
Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft"
– Presseberichte

"Im Rahmen einer Dissertation im Jahr 2007
wurden 210 muslimische Lehrer befragt, nun veröffentlichte die
Stadtzeitung ‘Falter’ das Ergebnis:
Demnach lehnen 21,9 Prozent der
Befragten die Demokratie ab, weil sie sich nicht mit dem Islam
vereinbaren lasse." (Quelle: ORF)


  • Österreichischer Rundfunk – ORF:
    "Großer Wirbel um Islam-Studie" – mehr

  • Standard (Österreich):
    "Studie ortet antidemokratische Haltung" – mehr

  • Falter: "Die Islamlehrer"
    Der Bericht, der das Thema ins Rollen brachte – mehr

Reaktionen

  • Die Furche: "Die falschen Diskussionen"
    In der österreichischen Wochenzeitung Die Furche kritisiert der Verfasser der Studie, Mouhanad Khorchide, dass im Bericht des Falter vor allem nach "sensationellen" Zahlen gesucht worden sei und dass der Artikel ohne Rücksprache veröffentlicht wurde.
    Betrachte man die
    Ergebnisse, die den Religionsunterricht unmittelbar betreffen, dann ergebe sich
    ein völlig anderes Bild.
    So sähe die überwiegende Mehrheit der Unterrichtenden in der Förderung der interreligiösen Fähigkeit ihrer SchülerInnen (84%) und in der Förderung von Verständnis für die Sicht Andersgläubiger (89%) vorrangige
    Aufgaben des islamischen Religionsunterrichts.
    Auch die Ermutigung der SchülerInnen zum Eintreten
    für Frieden (93%) und die Befähigung ihrer SchülerInnen, eine islamisch-europäische Identität zu entwickeln (73%) wurden als Aufgaben genannt.
    Gleichzeitig sieht Khorchide die islamischen Fachinspektoren und das österreichische Bildungsministerium gefordert in Bezug auf eine systematische Evaluation, Qualitätsentwicklung und die Intensivierung der Zusammenarbeit.

  • Salzburger Nachrichten: "Kritik schadet Muslimen nicht"
    Gespräch mit Ednan Aslan, Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Wien, über das Demokratiedefizit, das die Studie gezeigt hat:

    "Wir Reformfreudigen müssen darauf achten, dass sich etwas ändert. Das
    kann man nur von innen. Es ist daher wichtig, dass jene, die sich für
    einen europäisch geprägten Islam einsetzen, in der Glaubensgemeinschaft
    bleiben. Das ist meine Hoffnung." – mehr

  • Kathweb.at: Studie belegt Missstände beim islamischen Religionsunterricht
    "Das
    Bildungsministerium forderte von der islamischen Glaubensgemeinschaft
    bis 12. Februar einen ‘umfassenden Tätigkeitsbericht’ über die Arbeit
    der acht Fach-Inspektoren für den islamischen Religionsunterricht." – mehr

  • Falter: Anas Schakfeh im Interview.
    Für Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, sind
    die antidemokratischen Einstellungen von Islamlehrern Privatmeinungen.
    "Wir können sie nicht entlassen" – mehr

Hintergrund

Muslime sind in Österreich – anders als in den meisten anderen Ländern Europas – seit den Tagen der Monarchie, seit den  Bosniakischen Regimentern des Kaisers, eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Mit allen Rechten aber auch mit
allen Pflichten dem Staat und der Gesellschaft gegenüber. 

  • Wikipedia: Islam in Österreich – mehr

Dr. Mouhanad Khorchide hat Islamwissenschaften im Libanon und Soziologie in
Österreich studiert, er promovierte zum Thema "Islamischer
Religionsunterricht in Österreich". Er ist seit 2007
Lehrbeauftragter für den privaten Studiengang für das Lehramt für
Islamische Religion an Pflichtschulen.

  • Vorstellungsseite und Artikel
    "Die Ausbildung von ReligionslehrerInnen für den islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen in Österreich. Chancen und Herausforderungen" – mehr


Linz:
Arbeitsgemeinschaft Christlich-Muslimischer (Religions-)LehrerInnen

Seit 2003 gibt es in Linz eine religionspädagogische Arbeitsgemeinschaft mit christlichen und muslimischen Religionslehrkräften.

Seit dem Oktober 2003 besteht am Institut für Fortbildung an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz (früher RPI) eine Arbeitsgemeinschaft, die der Begegnung zwischen christlichen (d.h. katholischen sowie evangelischen) und muslimischen ReligionslehrerInnen dient.

In den Treffen dieser 20-köpfigen Gruppe – so die beiden ARGE-Leiter Erwin Osman und Dr. Thomas Schlager-Weidinger – geht es um das gegenseitige Kennenlernen und den wechselseitigen Austausch sowie um das Entwickeln gemeinsamer Aktivitäten im schulischen Umfeld.

Der wechselseitige Besuch in Kirchen und Moscheen, das Darlegen von Unterrichtsinhalten, Zielen und Materialien, die theologischen Diskussionen und vor allem das Vorstellen und Planen von gemeinsamen interreligiösen und interkulturellen Aktionen (gemeinsame Schulstunden von muslimischen und christlichen Kindern, die jeweils ihre Religion vorstellen; Projekttage; Schulanfangs- und Schulschlussfeiern; Fußballturnier; Moschee- und Kirchenführungen; …) ermöglichen ein Verstehen und wertschätzendes Annehmen (trotz) der Verschiedenheiten.

Das gute und konstruktive Klima innerhalb der ARGE beruht in der gegenseitigen Offenheit und Wertschätzung, die einem ehrlichen und nicht immer leichten Dialog entspringen.
Aus christlicher Perspektive hat sich die Erwartung erfüllt, dass es viel zielführender ist, nicht nur über den Islam zu sprechen, sondern mit glaubwürdigen Vertretern dieser Religion.

Dr. Thomas Schlager-Weidinger
Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz

Nähere Information:

  • Ö1 Feature "Tao: Salam – Grüß Gott"
    MP3-Datei, erstmals übertragen am 25.5.06: mehr