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21. Jahrhundert: Verbreitung von Glauben und Christentum

KreuzWenn Soziologen das Thema Glauben erforschen, kommen sie oft zu überraschenden Ergebnissen: Nach aktuellen Erkenntnissen breitet sich das Christentum weltweit derzeit intensiver aus als je zuvor.
In traditionell katholischen Bundesländern wie Bayern, Rheinland-Pfalz
und Saarland nimmt die kirchlich gebundene Religiosität zu, während es in Ostdeutschland abnehmende Tendenzen gibt.

 

Viele Menschen "religiös musikalisch"
Die Europäische Wertestudie erfasst seit 1981 einmal pro Jahrzehnt, was
die Europäer über Gott und die Welt denken. In diesem Jahr wurden
wieder Tausende Menschen in 46 Ländern befragt.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in traditionell katholischen Bundesländern wie Bayern, Rheinland-Pfalz
und im Saarland die Religiosität sogar zunimmt, während inh Ostdeutschland ein gegenläufiger Trend in Bezug auf kirchliches Engagement zu
beobachten sei.

Gleichzeitig, so Wolfgang Jagodzinski, Verantwortlicher für die Studie in Deutschland und Soziologieprofessor an der Universität Köln, seien viele Menschen "noch religiös musikalisch":
"Viele Befragte stimmen beispielsweise der Aussage zu, dass sie ihre
eigene Art hätten, mit dem Göttlichen in Verbindung zu treten … Es gibt diese Spiritualität in allen Gruppen: bei den
Nicht-Religiösen, bei den Kirchenmitgliedern und sogar bei den
erklärten Atheisten."

  • Berliner Zeitung: "Viele Deutsche sind religiös musikalisch – mehr

Das Christentum als bedrohte Religion?
Auch der Erfurter Soziologe Hans Joas weist auf die religiöse Prägung vieler Länder. So breitet sich das Christentum derzeit weltweit intensiver aus als je
zuvor. Allein in Afrika nehme die
Zahl der Christen täglich um 23.000 zu.
Die Frage, ob das Christentum
überleben werde, ist nach Joas’ Überzeugung im weltweiten
Maßstab "geradezu absurd".

Die verbreitete Ansicht, wer der Kirche den
Rücken zukehre, wende sich anderen religiösen Formen wie Esoterik,
Spiritismus oder Zen-Meditation zu, hält Joas für unbegründet. Für
widerlegt hält er auch die These, dass mit der Modernisierung
einer Gesellschaft auch notwendigerweise ein Abschied von der Religion
einhergehe. So ein Kurzbericht der EKD (mehr).

  • Hans Joas: "Die Zukunft des Christentums"
    – Goethe-Institut: Kurzfassung – mehr
    – Blätter für deutsche und internationale Politik: Gesamtfassung – mehr
  • Interview mit Hans Joas zum Evangelischen Kirchentag 2007
    Video: mehr
  • Christof Haverkamp im Kommentar zum Blogeintrag "Theologische Aussagen sind kulturbedingt":
    "Unterschätzt wird zum Beispiel, wie sich die Globalisierung auf die
    Religion auswirkt. Sie führt dazu, dass Protestanten und Katholiken aus
    Afrika, Asien und Osteuropa in großer Zahl nach West- und Mitteleuropa
    strömen.
    Diese Einwanderer werden auf Dauer auch das Christentum im Westen
    verändern – eine Art Missionierung also in umgekehrter Richtung und
    eine nicht immer leichte Herausforderung für den Westen." – mehr

Am Rande: Buswerbung für bzw. gegen Glauben
Nachdem im Juni letzten Jahres evangelische Freikirchen auf englischen Bussen mit Verdammnis drohten, werben jetzt Freidenker auf 800 Bussen im britischen Königreich damit, dass "man auch ohne Religion ein erfülltes Leben führen kann".
Kirchen bzw. theologische Institutionen nehmen es sportlich: Der Slogan rege Menschen an, "über die wichtigste Frage unseres Lebens nachzudenken".

  • Nürnberger Nachrichten: "Provozierende Anzeigen" – mehr